maedchenrat
Das partizipative Projekt für die Mädchenpolitik
Konzept  Auszeichnungen  Team  Organisation 

Konzept


Idee

Bei der Abwahl von Bundesrätin Ruth Metzler im Dezember 2003 und in Anbetracht der offensichtlichen Untervertretung von Frauen an der Spitze der Schweizer Politik, entstand die Idee, dieser Tatsache mit ganz konkreten Massnahmen und Vorschlägen zu begegnen.


Grundlagen

  1. Partizipation: Die UNO-Kinderrechtskonvention, 1997 von der Schweiz ratifiziert, verlangt mehr Mitspracherecht und -möglichkeiten für Kinder und Jugendliche. Partizipation ist eine pädagogische und politische Haltung. Vielfach wird sie nur als Methode kurzfristig eingesetzt, da die Arbeit durch das Mitdenken, Mitreden, Mitwirken, Mitbestimmen von Kindern und Jugendlichen anspruchsvoller und zeitaufwändiger wird. Die Partizipation hat Einzug erhalten in Freizeitangeboten und Jugendtreffs und teilweise vielleicht auch in Schulen. Auf politischer Ebene gibt es in der Schweiz noch grosse Unterschiede, wie weit Kinder und Jugendliche in Entscheidungsprozesse einbezogen und sich in einem ihnen angemessen Mass beteiligen können. Im Kanton Basel-Stadt gibt es beispielsweise einen "jungen rat". Der Kanton Baselland verfügt über einen "Jugendrat". Eine wichtige Anlaufstelle für Kinder und für partizipative Arbeit mit Kindern sind neben Jugendparlamenten sicher auch Kinderbüros in Basel und Bern, wo auch Kinderversammlungen abgehalten werden.
  2. Politisches Lernen: Dies ist gerade im vom Europarat ausgerufenen Jahr der politischen Bildung und des Demokratie – Lernens ein wichtiger Punkt. Politische Bildung hat sich gemäss wissenschaftlichen Studien auch als wirksames Mittel zur Prävention von Rassismus bei jungen Erwachsenen erwiesen. Bildung und Wissen führen zu Erkenntnis, welche es möglich machen, Sachverhalte zu erkennen und Prozesse zu verstehen. Dies hilft in der bewegten Gegenwart eine eigene Position zu finden. Natürlich geht es hier immer um politische Bildung ohne parteipolitische Interessen. Die jungen Frauen haben immer alle Möglichlkeiten offen und entscheiden frei.
  3. Mädchen: Bei all den partizipativen Angeboten für die Kinder- und Jugendpolitik fällt auf, dass häufig der geschlechtersensible Blick fehlt. Es hat sich aber immer wieder gezeigt, und ist in der Geschlechterforschung auch wissenschaftlich erwiesen worden, dass allgemein formulierte Kinder- und Jugendangebote vorallem Angebote für Jungen sind und aus diversen Gründen - deren Erläuterung nicht in den Rahmen dieses Konzeptes passt - auch hauptsächlich von Buben und jungen Männern aktiv genutzt werden. Aufgrund der unterschiedlichen Sozialisation von Jungen und Mädchen gehen beide Geschlechter verschieden mit dem gleichen Angebot um und haben bei der Nutzung derselben Angebote nicht die gleichen Möglichkeiten. Zur Schaffung tatsächlicher Chancengleichheit von Mädchen und Buben gehen wir davon aus, dass mädchenspezifische Angebote eine angemessene Massnahme sind, bestehende Ungerechtigkeiten aufzuheben. Im Unterschied zu herkömmlichen Mädchenangeboten in der offenen Jugendarbeit, betreten wir mit den Mädchenrätinnen bewusst öffentliches Parkett.
  4. Frauen in der Politik: der Frauenanteil in der Politik ist immer noch zu klein. Zur Herstellung von Chancengleichheit für Frau und Mann wurden die nationalen und kantonalen Gleichstellungsbüros geschaffen und erhielt Basel beispielsweise einen Frauenrat. Wir gehen davon aus, dass Frauenförderung in der Politik viel früher anfangen sollte, nämlich bei den Mädchen. Und dies nicht erst in der Schule, sondern schon bei den 5jährigen, welche frisch im Kindergarten mitten in den ersten Phasen der geschlechtsspezifischen und der allgemeinen Sozialisation stehen. Mädchenförderung also mit Eintritt in die Institutionen und nicht erst Frauenförderung, wenn die jungen Frauen die „ganze Mühle“ schon durchlaufen haben und ihre ersten Frustrationen betreffend struktureller Benachteiligung schon haben verdauen müssen.


Ziele

Das Hauptziel des Projektes „Mädchenrat“ ist, den geschlechtersensiblen Arbeitsansatz mit dem der Partizipation von Kindern und Jugendlichen zu verbinden.

Ausgehend von den Mädchen und ihren Bedürfnissen und Sichtweisen, setzen wir uns parteilich für ihre Interessen ein.

Mädchen und junge Frauen nehmen mit ihrem Engagement und Interesse öffentlichen Raum ein, zeigen sich und werden wahrgenommen. Durch die pädagogische Betreuung und Beratung können sie mit den unterschiedlichen Reaktionen „professionell“ umgehen.

Wir beziehen die Mädchen auch in Konzeption und Planung ein, dadurch lernen sie eine wertschätzende Arbeitsweise unter Frauen kennen, fühlen sich ernst genommen und können dies so auch weitergeben.

Die Mädchen erhalten viele wichtige Informationen und Knowhow durch all die Einblicke in die unterschiedlichen weiblichen Lebensentwürfe. So öffnen sich ihnen viele neue Möglichkeiten für den eigenen, selbstbestimmten Lebensweg.

Wir unterstützen und ermutigen sie, sich im Alltag einzubringen, an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen und sich in die Politik, der Organisation des Zusammenlebens verschiedener Menschen, einzumischen.

Weiter wünschen wir, dass der Mädchenrat eine Ansprechadresse für PolitikerInnen und Institutionen wird, wenn es um (politische) Entscheide geht, welche Mädchen und junge Frauen betreffen.

Diese Ziele sollen in einem ersten Schritt regional, später aber auch national umgesetzt werden.


Zielpublikum

Mädchen und junge Frauen jeder Sprache und Herkunft ab Kindergartenalter bis ca. 20 Jahre.


Ablauf

Wöchentliche Sitzungen in drei Altersgruppen, wobei die Mädchen und jungen Frauen das Programm selber gestalten und ihre Wünsche mittels Feedbackbogen laufend einbringen. So wurden im 2005 auf Wunsch der Mädchen verschiedene Berufsfrauen in den Mädchenrat eingeladen. Diese wurden zu ihrem Berufsalltag und Werdegang, aber auch zu ihrer Mädchenzeit befragt. So lernten die jungen Frauen verschiedene weibliche Biografien kennen und konnten erfolgreiche Modelle für sich übernehmen.


Seite drucken »